Unternehmer in der Zukunftsfalle durch ratlose Eltern und planlose Kinder

Print Friendly, PDF & Email

Herausforderungen der Unternehmer

In meinen letzten beiden Blogs habe ich Ihnen die große gesellschaftliche Herausforderung rund um die Themen: Berufswahl und optimale Starthilfe in die Wirtschaft aufgezeigt, vor der Eltern und ihre Kinder stehen.

Heute sehen wir uns diese gefährliche gesellschaftliche Entwicklung aus der Perspektive der „Unternehmer“ an.

 

Fachkräftemangel – Mitarbeiter gewinnen und binden

Es ist sicher auch Ihnen bekannt, dass seit vielen Jahren Unternehmer händeringend nach Fachkräften suchen. Es vergeht kaum mehr ein Tag, wo in Printmedien, im TV, im Radio, in Online-Foren und auf sonstigen Kommunikationskanälen nicht über dieses heiße Thema berichtet wird. Viele Unternehmer insbesondere in handwerklichen Betrieben sind verzweifelt, weil sie aufgrund akuten Personalmangels keine Aufträge mehr annehmen können. Sie tun alles im Rahmen ihrer Möglichkeiten, um neue Mitarbeiter von ihrem Berufsbild, von ihrem Firmenangebot zu überzeugen. Sie präsentieren sich auf allen Kommunikationskanälen als attraktiver Arbeitgeber. Leider müssen die meisten Unternehmer mit ihren verantwortlichen Führungskräften feststellen, dass diese Aktivitäten meist wirkungslos sind.

 

Ausbildung – Studieren?

In der Gesellschaft gibt es seit vielen die Tendenz, dass vor allem Eltern ihren Kindern ans Herz legen zu studieren. Ich habe bereits in den vorigen Blogs darauf hingewiesen, dass die Eltern immer das Beste für ihr Kind wollen. Das ist gut so!  In diesem Zusammenhang sind viele Eltern überzeugt, dass handwerkliche Berufe, eine einfache Ausbildung zB zu einem Kaufmann oder ähnliche Angebote am Arbeitsmarkt im Prinzip minderwertig sind und somit für das eigene Kind nicht infrage kommen.

Öffentliche Meinungsbildner und Organisationen wie zB die Wirtschaftskammer Österreich, die IHK in Deutschland, die Handwerkskammern uvm, die zusätzlich auch durch Verbände und ähnlichen Organisationen unterstützt werden, starten millionenschwere Informationskampagnen, um dieses falsche Bild und die damit verbundenen Einstellungen zu korrigieren. Klar gibt es da und dort einige Erfolge zu verbuchen, doch die große PRO-Welle zu diesen altbewährten und trotzdem modernen Berufen bleibt aus.

 

Attraktivität bestimmter Berufsbilder

Seit mehreren Jahren erklären mir Unternehmer im Zuge meiner Firmentrainings, dass sie verzweifelt sind. Sie haben bereits so viel ausprobiert und müssen doch feststellen, dass es ihnen nicht gelingt, neue Mitarbeiter für ihr Berufsbild und ihre Firma zu begeistern. Noch düsterer sieht aus ihrer Sicht die Situation bei der Ausbildung von neuen Mitarbeitern aus. Lehrlinge sind Mangelware und ihre Berufe werden von diesen als unattraktiv eingestuft.

Praxisbeispiel

Diese negative Entwicklung hat fatale Folgen. Einer meiner Kunden ist ein sehr erfolgreicher Anbieter für die Sanitär- und Heizungsbranche. Die Firma verfügt unter anderem über exzellente Berater, die die Geschäftskunden und Endkunden rund um das Thema Bad, Sanitär, Heizung exzellent und vorbildlich beraten. Ein Außendienst betreut persönlich die vielen Handwerksbetriebe und ist permanent aktiv, um bestehende und zukünftige Kunden vom reichhaltigen Angebot mit exzellenter Beratung zu begeistern.

Im Zuge eines Firmentrainings geht es gerade beim Außendienst immer wieder auch um das Thema: Wie kann man bei bestehenden Kunden Umsätze gegenüber der Konkurrenz absichern und wenn möglich ausbauen? Der Knackpunkt, der mir eines Tages im Zuge eines Trainings präsentiert wurde, hat auch mich als Wirtschaftstrainer vor ein Problem gestellt, welches man nicht so einfach bewältigen kann. Eine direkte Lösung für das mir präsentierte Problem gibt es nicht.

Was ist passiert? Der Außendienst erzählte mir, dass sich vor einigen Monaten ihr Chef im Zuge eines Meetings erkundigte, warum die Heizungsbauer immer weniger Projekte bestellen = D.h. dass Heizungsbauer eine komplette Heizungsanlage beim Kunden gegen eine neue austauschen. Seit Jahren hat hier die Firma einen Rückgang zu verzeichnen. Doch innerhalb von sechs Monaten hat dies dramatisch zugenommen.

Sie als Unternehmer wissen, dass diese Situation für eine Firma nicht gut ist. Und Mitarbeiter wissen, dass ein rapider Umsatzrückgang in einem wichtigen Geschäftsbereich sehr schnell negative Folgen für die Firma nach sich zieht. Der Chef vereinbarte mit dem Außendienst, diese Entwicklung bei den Heizungsbauern gezielt zu hinterfragen. Die Außendienstmitarbeiter haben diese gemeinsam beschlossene Vorgehensweise sofort in die Praxis umgesetzt und bereits nach drei Wochen bei einem nächsten Meeting kamen sie zu einem eindeutigen Ergebnis. Auf die Frage bei den Heizungsbauern: „Warum sie immer weniger neue Heizungsprojekte umsetzen“, antworteten diese: „Das hat einen ganz einfachen Grund. Ich würde sofort bei Dir 5 bis 10 neue Heizungsprojekte bestellen. Wir haben sogar von den Kunden die Anfragen erhalten! Doch mir fehlen die Mitarbeiter, die sie einbauen können.“

Ich habe am Anfang dieser Geschichte festgehalten, dass auch ich hier als Trainer keine direkte Lösung anbieten kann. Was wollen Sie an Verkaufsargumenten, an Vorteilen usw. aufzeigen, wenn der Kunde schlicht und einfach keine Mitarbeiter mehr hat, die fachlich diese Heizungsprojekte beim Kunden einbauen und somit umsetzen können.

Ruckzuck erkennt man an einem solchen Praxisbeispiel, wie sich eine negative Spirale in Bewegung setzt. Wenn eine Firma in diesem Fall

  • ein Großhändler seine Waren verkaufen will,
  • sein Kunde auch dafür bereit ist,
  • jedoch aufgrund des fehlenden Fachpersonals können nicht mehr Projekte umgesetzt werden,

dann entsteht sehr schnell ein riesen Problem, wo es keine direkte Lösung gibt.

 

Lehrlingsausbildung

Klar haben auch viele recht, wenn sie darauf hinweisen, dass in den letzten Jahren die betroffenen Betriebe zu wenig Lehrlinge aufgenommen und ausgebildet haben. Diesbezüglich gibt es auch bei genauer Betrachtung unterschiedliche Gründe, warum es diese Entwicklung gibt. Es trifft auch zu, dass sich bestimmte Unternehmer, sich die Ausbildung von Lehrlingen nicht mehr antun wollen. Ja, es ist leider so! Denn auch bei Unternehmern und ihren Führungskräften haben die Jugendlichen nicht mehr so einen guten Ruf, der sie dahingehend animiert, sie ausbilden zu wollen. Ganz im Gegenteil. Viele Führungskräfte und auch Gesellen haben keine Lust mehr, neue Lehrlinge ausbilden. Es gibt viele Gründe warum das so ist. Doch man kann sie in einem Statement zusammenfassen: „Die bestehenden Mitarbeiter und Führungskräfte müssen seit Jahren erkennen, dass es immer schwieriger wird die neuen Lehrlinge auszubilden, weil ihre Bereitschaft die Ausbildung anzunehmen rapide sinkt.“ Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass der respektvolle Umgang und das ehrliche engagierte Miteinander von Jugendlichen, welches ein gutes Team auszeichnet, ebenfalls kaum mehr vorhanden sind.

Auf der anderen Seite wissen auch diese Unternehmer, die eigentlich keine Lehrlinge ausbilden wollen, dass sie für die Fortführung der Firma Fachkräfte benötigen. Es geht dabei nicht nur um die Expansion und somit Vergrößerung der Firma, sondern auch darum, bestehende ältere Mitarbeiter in Hinblick auf ihre Pension durch junge, dynamische zu ersetzen.

 

Gesellschaft zweiter Klasse

Als Wirtschaftstrainer ist es mir ein besonderes Anliegen, diesen Missstand zu beseitigen. Die Medien berichten permanent über die Problematik und verzichten offensichtlich bewusst die notwendige Attraktivität der Berufe mehr in den Mittelpunkt zu rücken, damit sich Eltern und Kinder mit diesen auseinandersetzen. Heute wird auch in der öffentlichen Meinung egal ob Politiker, ob Verbände, ob Organisationen immer noch so getan, als wäre nur der Student das Maß aller Dinge und alles was darunter ist, ist schon Gesellschaft zweiter Klasse. Welche so geprägte Mutter oder welcher so geformt Vaterwird sich dafür entscheiden, sein Kind so zu beeinflussen, dass es in diese Richtung geht und somit Teil der Gesellschaft zweiter Klasse wird?

Die Mütter und Väter werden durch diese öffentliche Diskussion und das Präsentieren der damit verbundenen Meinungen noch in ihrem alten Bild bestärkt: Es geht meinem Kind nur besser, wenn die Ausbildung besser ist und das bedeutet studieren, studieren, studieren. Klar weiß ich, das ist eine sehr überzogene plakative Aussage. Das ist mir bewusst. Es gibt viele Beispiele, dass sehr wohl auch die klassischen Berufsbilder noch immer Mitarbeiter gewinnen und vor allem viele in diesen Berufen arbeiten.

Mir ist es jedoch wichtig mit dieser etwas überspitzten Aussage die Gesellschaft wachzurütteln, um aufzuzeigen: Viele Berufe und Firmen stehen mit dem Rücken zur Wand. Sie haben enorm an Attraktivität eingebüßt, dass nur noch jene bei ihnen anfangen, die wirklich nirgends mehr woanders einen Job gefunden haben.

 

Wirtschaft erfrischend anders erleben

Diese für mich negativen Aussagen und das damit gezeichnete Bild müssen nicht nur überdacht werden, sondern Entscheidungsträger, öffentliche Meinungsbildner sind aufgefordert eine PRO-Welle mit folgender Kernbotschaft auszulösen: Spaß an der Arbeit“. Es geht darum, den Jugendlichen die Augen zu öffnen, dass man „Wirtschaft erfrischend anders erleben“ kann, wenn man es will und dazu bereit ist.

Mit meinem Projekt und den vier Säulen setze ich mich auch mit Unterstützung der bestehenden Missions-Partner und vielen  Meinungsbildnern in den nächsten Jahren dafür einsetzen, dass Mütter und Väter mit ihren Kindern erkennen, wie viele Berufe es gibt, die heute in der Gesellschaft nicht wahrgenommen werden .

Wenn Sie mehr über das Projekt wissen möchten, besuchen Sie unsere Webseite www.coachedian.com.  Hier finden Sie viel Wissenswertes,

  • was bisher in der Projektvorbereitungsphase passiert ist und
  • spannende Neuigkeiten, was wir mit unserem Projekt bewegen und

 

Bildnachweis: © guukaa / Fotolia