Menschlich werden und bleiben!

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„Menschlich werden und bleiben“!

Einer der Gründe, warum ich Wirtschaftstrainer geworden bin, war mein Bestreben, dass Menschen menschlich zusammen arbeiten.

Ich selbst habe als Lehrling erlebt, dass es nicht immer einfach ist anstehende Aufgaben und Aktivitäten im Sinne der Kollegen, der Vorgesetzten und der Chefs zu erfüllen. Nicht weil ich es nicht wollte, sondern ich war vielleicht durch meine Ausbildung noch nicht dafür bereit, es richtig zu machen. Oder ich hatte mich das eine oder andere Mal nicht an den bekannten Vorgaben gehalten. Das war nicht richtig! Trotzdem habe ich es als ungerecht empfunden, dass dann über mich die negativen Wellen herein gebrochen sind. Kollegen haben mir ihren Ärger spüren lassen. Chefs waren erzürnt. Man wurde hart angefasst und am Ende war man deprimiert.

 

Sie werden sich abwenden

Klar heute verstehe ich die Reaktionen der Kollegen, Führungskräfte und Chefs, weil ich es das ein oder andere Mal hätte besser machen können. Trotzdem waren sie falsch. Ein Mensch, bei dem ich die Peitsche auspacke und wo ich ständig einen negativen Dialog forciere, wird sich von mir abwenden. Was bringt es wenn sich Kollegen, Führungskräfte, Chefs, Mitarbeiter und Kollegen auf gleicher Ebene voneinander abwenden. Es bringt gar nichts. Denn sie führen kein erfolgreiches Team, sondern einen Haufen, der ständig über sich herfällt und sich täglich das Leben schwer macht.

Diesbezüglich gibt es bestimmte Menschen, die mir als Wirtschaftstrainer erklären wollen, in gewissen Berufen ist es notwendig, hart in der Sache zu sein und somit auch in der Argumentation mit den Worten. Nun gut! Ich verstehe schon, ab und zu muss man auch klar und deutlich Grenzen aufzeigen. Doch diese Menschen sind stetig bestrebt, Negatives zu verbreiten und mit ihren Worten Angst zu machen. Eine solche Vorgehensweise funktioniert selten dauerhaft gut. Ganz im Gegenteil! Am Ende steht das Chaos und viele Ziele können nicht mehr erreicht werden. Der Misserfolg tritt ein und verschlechtert eine ohnehin schon angespannte Phase zunehmend.

 

Das Gegeneinander nimmt zu

Heute stelle ich fest: Das Gegeneinander ist noch schlimmer als vor dreißig Jahren, als ich Lehrling war.

Viele Lehrlinge und junge Mitarbeiter sehen die Arbeit nicht. Vielleicht denken Sie beim Lesen dieses Satzes: Das kann man so nicht sagen. Vielleicht fallen Sie jetzt sogar über mich her und meinen: „Das ist unprofessionell“ und ergänzen ihre Aussage mit dem Hinweis „das  ist eines Trainers nicht würdig“.

 

Rechte und Pflichten

Ich bleibe trotzdem bei dieser Aussage und dieser Formulierung. Lehrlinge wissen bereits am Start alles über ihre Rechte und das ist gut so. Lehrlinge sollen wissen, was ihnen rechtlich zusteht und wie man mit ihnen umzugehen hat. Genauso bin ich aber auch der Meinung: Muss man einfordern, dass sie ihre Pflichten kennen. Es gibt immer wieder Ausnahmen, wo Lehrlinge hart dran genommen werden. Es gibt Branchen, wo es anders abläuft. Doch in den meisten Branchen ist es so, dass Lehrlinge heute im wahrsten Sinne des Wortes hofiert werden. Auf der einen Seite steht ein Gesetzgeber, der viele Aufgaben verbietet, die z.B. der Handwerker-Lehrling im Pfusch längst macht. Viele Unternehmer und die Ausbildungsverantwortlichen sagen zu mir: „ Herr Panhölzl, ich kann den Lehrling gar nicht richtig ausbilden, weil er viele Tätigkeiten vom Gesetz her nicht machen darf!

 

Lehrlinge

Gewiss ist das ein sehr schlechtes Umfeld und die Einstellung zu einem Lehrling wird zunehmend negativer. Sie werden es mir gar nicht glauben, aber es gibt tatsächlich auch Entscheidungsträger, die gebündelt z.B. in der Wirtschaftskammer in einer Innung oder in einem Gremium als Meinungsbildner beispielsweise als Obmann die Meinung vertreten, dass man Lehrlinge gar nicht mehr ausbilden soll. Erst vor kurzem habe ich mit einem Vorzeigeunternehmer gesprochen, der mir genau dies berichtete und sagte: „Ich bilde gerne Lehrlinge aus und engagiere mich für diese. Jetzt werde ich auch in den eigenen Reihen, bei den Vertretern und somit Unternehmern in der Wirtschaftskammer als schwarzes Schaf gesehen“. Das Kuriose an dieser Aussage ist, dass nach außen genau diese öffentlichen Wirtschaftsvertreter die Wichtigkeit einer Lehre und somit das Aufnehmen von Lehrlingen täglich aufs Neue propagieren.

 

Menschlich werden und bleiben

Menschlich werden und bleiben heißt für mich auch in einer Firma zu überlegen, wie setzen wir morgen den Erfolgsweg fort. Ohne Mitarbeiter wird es nicht gehen. Heute liest man überall vom Fachkräftemangel. Dieser ist jedoch hausgemacht. Auf der einen Seite vertreten einige Parteien immer noch plakativ ihre Aussage: „Mehr Akademiker!“ Nun gut. Wenn jemand sagt, das ist mein Weg. Ich will später als Studierter in einem gewissen Bereich auch absolut top sein und mir den entsprechenden Beruf aussuchen, ist das okay. Nur was wurde aus diesem Spiel: Akademiker gegen Lehrlingsberuf. Es wurde ein gesellschaftliches unmenschliches Spiel. Den heute ist man meist nichts wert, wenn man z.B. im Freundeskreis erzählt: „Ich mache eine Lehre!“ Dann wenden sich die Blicke sehr schnell ab oder es kommt zu launigen Aussagen, so sinngemäß: „Was? Du hast nur eine Lehre gemacht“ oder „Du bist jetzt gerade in einer Lehre? Hat es nicht zu mehr gereicht?“

Du bist somit gesellschaftlich diskriminiert und daher werden Lehrberufe immer unattraktiver. Auch angeheizt durch die sozialen Netzwerke, auch unter Freunden und Bekannten möchte man glänzen, was man gerade studiert und man später im Beruf daraus machen kann. Das ist bei einer Lehre nicht gegeben.

 

Gegenseitige Hilfe

Anderes Beispiel: Ein Kollege braucht Hilfe. Der versteht etwas nicht und kommt zu einem Kollegen, der aufgrund seiner Jahre und Erfahrungen es wissen muss. Wie oft erhält man die rote Karte? Wie oft wird der Kollege als Störfaktor empfunden?

Warum erinnern sich so wenige erfahrene und ältere Mitarbeiter, Führungskräfte und Chefs nicht mehr daran, wie es ihnen bei der Ausbildung ihres Berufes ergangen ist. Ein altes Sprichwort heißt: „Kein Meister ist vom Himmel gefallen!“ Genauso ist es.

  • Auf der einen Seite beklagen sich ältere Mitarbeiter, Führungskräfte und Chefs, dass keine Fachkräfte mehr am Markt zur Verfügung stehen und sie deshalb bestimmte Aufträge nicht mehr annehmen können. Das bedeutet, die Firma wird in ihrer Wettbewerbsfähigkeit geschwächt. Gleichzeitig auch die Umsätze und die damit verbundenen Erträge.
  • Auf der anderen Seite wird ein neuer aufgenommener junger Mitarbeiter als Störenfried empfunden. Der nur aufhält. Der zu wenig arbeitet. Wo jeder Handgriff gleich negativ kommentiert wird, weil er noch nicht alle Tätigkeiten optimal durchführen kann.

Menschlich ist es nicht. Viele vergessen ganz einfach in diesem Moment, dass es ihnen am Anfang genauso ergangen ist.

 

Der Unternehmer in der öffentlichen Meinung

In der öffentlichen Meinung ist der Unternehmer sehr negativ besetzt. Er hat alle Vorteile. Er hat viel Geld. Der Arme ist immer der Mitarbeiter. Ist das menschlich? Wo würden denn die vielen Mitarbeiter arbeiten, wenn es keine Unternehmer mehr geben würde?

Viele Meinungsbildner auch in der Gewerkschaft und bei den öffentlichen Vertretern der Arbeiterkammer, der Wirtschaftskammer uvm. vergessen oft darauf, dass über 98 % der Betriebe, Klein- und Mittelbetriebe sind. Die sogenannten KMUs sind somit die, die das Rückgrat der Wirtschaft darstellen.

Sie geben vor allem dort Arbeit, wo die Großkonzerne nicht hinkommen, in den Gemeinden uvm. Wie viele Ortskerne in kleinen Städten und Gemeinden würde es heute nicht mehr geben, wenn nicht Unternehmer bereit wären, dort ihre oft sehr kleinen Geschäfte am Leben zu erhalten?

Denn viele kämpfen ums Überleben und manche, das glauben oft auch die Herren der Gewerkschaft nicht, dieser Unternehmer verdienen nur das, was ihre Mitarbeiter haben oder es gibt auch Fälle, wo sie weniger verdienen. Friseure sind ein gutes Stichwort, denn es gibt viele kleine Friseurgeschäfte, denen es nicht gut geht. Diese Unternehmer kämpfen für ihr Geschäft und sind auch bereit, anderen Menschen Arbeit zu geben. Diese kleinen Geschäfte haben auch noch drei, vier, fünf Mitarbeiter und zusammengezählt stellen sie in einer Gemeinde eine wirkliche Größe dar. Zu selten liest man auch in der Presse über die täglichen Herausforderungen dieser Unternehmer. Noch seltener liest man, menschlich gesehen, dass diese Unternehmer Menschen eine Arbeit geben, von denen auch deren Familien leben.

 

Was leisten Unternehmer täglich?

Viel lieber wird in der Öffentlichkeit das negative Bild des Unternehmers gezeichnet. Meist wird in den Medien vergessen, dass das vielleicht auf den einen oder anderen Großkonzern zutrifft. Das es natürlich auch unter den Kleinunternehmern mal schwarze Schafe gibt, ist auch klar. Nur eines wird zu oft vergessen, dass die Mehrheit nicht nur anständige Unternehmer sind. Sie sind viel mehr. Sie sind jene Gruppe in der Gesellschaft, die als Unternehmer mit hohem Risiko ihre Ideen und Ziele verwirklichen und anderen Menschen Arbeit geben. Sie verdienen oft gar nicht mehr viel, als ein Angestellter und tragen doch das volle Risiko.

Viele Mitarbeiter sollten auch hier einmal menschlicher werden und überlegen, wann sie das letzte Mal ohne Anlass zum Chef gegangen sind und gesagt haben: „ Danke lieber Chef, dass es dich gibt!

 

Thema: Arbeit

Passend gleich zu diesem Thema ist die nächste wichtige Herausforderung, das Thema: Arbeit. Immer mehr wird die Arbeit als etwas sehr Negatives gesehen. Diesen Zustand der Gesellschaft nehmen die Medien dankend auf und projizieren diese negative und somit unmenschliche Welle wieder in die Gesellschaft hinein. Nehmen Sie nur viele Radiosender, die schon fast im Originalton, oft wörtlich ident, die Wochentage wie folgt beschreiben.

  • Der Montag ist der schlechteste Tag der Woche. Heute beginnt die Arbeit. Gegen Ende des Tages sagen dann die Moderatoren: „Bald ist es vorbei“.
  • Am Dienstag heißt es dann: „Einen Tag haben wir geschafft“.
  • Am Mittwoch sprechen dann viele Moderatoren von der Halbzeit.
  • Der Donnerstag hat mittlerweile bei vielen Radiosendern eine neue Bedeutung, die lautet: „Der Donnerstag ist der kleine Bruder vom Freitag!“ D.h. wir haben es bald geschafft, liebe Gesellschaft, die Woche neigt sich dem Ende zu und endlich ist wieder Freizeit.
  • Der Freitag ist der schönste Tag der Woche, denn in vielen Berufen ist bereits zu Mittag Schluss. Nur die Mitarbeiter, Führungskräfte und Chefs im Handel sind hier benachteiligt, weil sie bis Samstag arbeiten.
  • Der Sonntag ist der Vorbote des negativsten Tages der Woche, des Montags. Vor allem wenn es Nachmittag wird, denken viele mit Grausen daran, dass es morgen wieder beruflich losgeht.

Menschlich gesehen, für mich eine Katastrophe! Ich habe das wirtschaftliche System nicht erfunden. Es ist wie es ist. Man kann es bekritteln. Nicht alles ist optimal. Natürlich kommt es immer darauf an, welche Position ich in der Gesellschaft bekleide. Viele haben recht, wenn sie die Meinung vertreten, dass einiges auch repariert gehört. Nur eines ist klar, dass sich hier etwas verändert, diese Entscheidungen treffen Spitzenpolitiker mit ihren Netzwerken. Die Mehrheit der Gesellschaft kann daran nichts ändern. Das bedeutet, ich akzeptiere immer Rahmenbedingungen, wie sie nun einmal sind. Ich überlege zuerst, wie kann ich unter diesen Rahmenbedingungen das Beste daraus machen, sodass es meinen Lebensvorstellungen entspricht.

Der Status „Arbeit“ müsste somit sehr positiv sein. Ohne Arbeit können wir uns doch die vielen schönen Dinge auch im privaten Leben nicht leisten. Es ist eigentlich unverständlich, warum so viele Menschen über die eigene Arbeit und generell über die Arbeit negativ sprechen.

 

Wir – die Menschen

Menschlich werden und bleiben ist aus meiner Sicht eine der wichtigsten Herausforderungen im 21. Jahrhundert. Egal wie es mit der Digitalisierung weiter geht. Wie hoch das Tempo des Wandels auch sein wird. Auf eines sollten wir nicht vergessen, auf uns Menschen!

 

Meine Empfehlung

Reichen Sie den Menschen die Hände. Gestalten Sie gemeinsam mit Ihrem Umfeld die Zukunft. Rüsten Sie negative Worte ab und versuchen Sie eine positive Kommunikation zu fördern.“

  • Sehen Sie in Ihren Kollegen, Führungskräften, Chefs und auch Kunden den Menschen hinter dieser Zielgruppe.
  • Arbeiten Sie vertrauensvoll im Team zusammen.
  • Reden Sie positiv über die Arbeit. Freuen Sie sich auf Ihre Arbeit.
  • Genießen Sie, dass Sie einen Beruf haben und somit Ihre Arbeit ausüben dürfen, weil auch das keine Selbstverständlichkeit ist.
  • Sehen Sie in jungen Menschen, die vielleicht bei Ihnen als Lehrlinge anfangen, Ihre eigene Zukunft und fördern Sie diese Personen, damit sie zu echten Fachkräften werden.
  • Spielen Sie Berufe und den gesellschaftlichen Status nicht permanent in der Kommunikation mit Freunden, mit Menschen uvm. gegeneinander aus. Ein Lehrling ist genauso viel wert wie ein Akademiker. Denn letztendlich brauchen wir in der Gesellschaft beide.

 

Sie können meine lieben Blogleser diese Liste gerne verlängern und mit Ihren persönlichen Ansichten anreichern. Eines sollten Sie aus diesem Blog heute mitnehmen: Mehr Menschlich-sein bedeutet letztendlich auch für sich selbst mehr Freude im Leben und seine eigenen Wünschen und Vorhaben zu verwirklichen.